


Smartphone-Kameras sind in den letzten Jahren nah an Digitalkameras herangerückt. Professionelle Spiegelreflexkameras und Fotograf:innen ersetzen sie zwar nicht. Als flexible, kostengünstige und schnelle Alternative sind sie aber kaum zu schlagen, wenn man sie richtig nutzt.
Das Fotografieren
Format
Vor dem Auslösen lohnt der Blick auf das spätere Medium, für welches das Bild später genutzt werden soll. Denn je nachdem ist ein anderes Fotoformat gefordert:
· Social-Media-Fotobeiträge: meist 4:5
· Magazin/Print: meist 3:4 oder 4:3
· Video: meist 16:9, bei Reels 9:16
Nicht nur, aber vor allem bei Print sollte genug Raum um das Objekt im Fokus gelassen werden, um später besser und vielfältiger zuschneiden zu können.
Bilddatei-Format
Sofern das Handy es unterstützt, im RAW-Format fotografieren. RAW-Dateien lassen sich später flexibler bearbeiten, belegen allerdings viel Speicherplatz. Das Speichermedium sollte darauf also ausgelegt sein. Alternativ die Bilder zwischendurch vom Handy in eine Cloud übertragen.
Fokus und Licht
Die meisten Handys haben eine Tap-to-Focus-Funktion: Ein Tipp auf das Objekt stellt den Fokus automatisch ein. Zusätzlich öffnet sich eine Belichtungsregelung – Regler hoch für mehr Belichtung, runter für weniger. Die Lichteinstellung lässt sich durch Gedrückthalten sperren, damit mehrere Fotos hintereinander gleich belichtet sind. Grundsätzlich gilt: Unterbelichtete Fotos lassen sich in der Nachbearbeitung leichter aufhellen als überbelichtete abdunkeln, denn bei Überbelichtung gehen Bildinformationen verloren.
Fotomodus
Die meisten Handykameras haben heute verschiedene Modi, die teils auf unterschiedliche Linsen zugreifen. Der Standardmodus fotografiert Objekte in Sichtweite ohne viel Tiefenschärfe und ist meist die richtige Wahl. Beim Porträtmodus verschwimmt der Hintergrund – ungeeignet für Objekte am Horizont. Der Panoramamodus erweitert den Bildausschnitt, passend für weite Naturaufnahmen wie Sonnenuntergänge. Bei Gruppenporträts verzerrt er dagegen die Proportionen der außenstehenden Personen.

Goldener Schnitt (Drittel-Regel)
Das Fotoraster einschalten. Es teilt den Bildschirm in neun gleich große Flächen ein. Die Schnittpunkte der Linien eignen sich, um Hauptobjekte zu platzieren. Bei Porträts liegen die Augen idealerweise auf der oberen Linie, mit genug Weißraum um die Person.

Leerraum
Leerraum, also der freie Raum um ein Objekt herum, macht eine Komposition oft erst interessant. Bei Porträts wirken sehr nah aufgenommene Fotos schnell zu intensiv, besonders im späteren Großformatdruck. Hier hilft mehr Abstand. Bei Szenen aus größerer Distanz das Hauptobjekt dort platzieren, wo sich die Linien des Fotorasters schneiden.
Menschen
Fotos von Menschen verlangen Feingefühl. Direktes Feedback an die Person hilft, ebenso der Blick auf Details wie Haare. Auch auf den Hintergrund achten. Was fast immer funktioniert: Die Person leicht weggedreht von der Kamera positionieren (im Dreiviertelprofil), den Kopf aber zur Kamera gerichtet. Sinnvoll sind viele Fotos aus einer Position, bei denen die Person Gesichtsausdruck und Körperhaltung leicht variiert. Zu statische, aber auch zu schnell wechselnde Posen sind zu vermeiden.
Ein häufiges Problem: Wohin mit den Händen? Hier hilft es, zu klassischen Posen zu greifen, wie Hände locker in die Hosentaschen stecken oder Arme verschränken. Auch der Person einen Gegenstand in die Hand zu geben oder sie zu setzen, lässt eine Körperhaltung oft natürlicher wirken. Zwischendurch ein kurzer Blick zur Seite und wieder zurück in die Kamera, verhindert einen starren Blick und ein verkrampftes Lächeln. Wer sein Model positiv bestärkt, wird oftmals mit einem echten Lachen belohnt. Auch hilfreich: Die Person fragen, was sie an sich mag und was nicht – und das beim Fotografieren berücksichtigen.
Wichtig ist zudem, dass der Horizont parallel zu den horizontalen Linien des Fotorasters verläuft und sich die Kamera auf Augenhöhe der Person befindet. So werden Proportionen nicht verzerrt.

Ort
Menschen und Objekte platziert man am besten draußen oder in der Nähe einer natürlichen Lichtquelle, zum Beispiel am Fenster. Direktes Sonnenlicht im Gesicht lässt Menschen verkniffen und angespannt wirken. Seitliches Licht erzeugt oft harte Schatten. Die Lösung: Das Fotomotiv im vollen Schatten platzieren. Sonniges Umgebungslicht reicht oft für gut ausgeleuchtete Fotos.

Das richtige Handy
Die Handykamera lässt sich später nicht nachrüsten. Wer neu kauft, sollte deshalb auf diese Dinge achten:
Blende: Eine weite Blende (z. B. f/1.8) lässt mehr Licht ins Objektiv. Das bedeutet bessere Leistung bei wenig Licht und eine geringere Schärfentiefe.
Linse: Digitaler Zoom mindert die Bildqualität. Ein Handy mit mehreren Linsen ermöglicht echten Zoom durch verschiedene fest verbaute Objektive.
Bildstabilisierung: Hilft gegen Verwacklung, besonders bei wenig Licht, wenn eine langsamere Verschlusszeit nötig ist.
Megapixel: Mit einer hohen Megapixelzahl können mehr Details des Bildes erfasst werden. Besonders im Fotodruck spielt die Megapixelanzahl eine wichtige Rolle.
Bildnachweis: adobeStock und Pexel