


Eine Maschine, von Menschen gebaut und mit den Werken von Millionen trainiert, wird zum Helfer für fast jede Aufgabe. Doch bald produziert sie so viele eigene Inhalte, dass sie nur noch von sich selbst lernt. Sie wird monoton, einfältig, fehleranfällig. Dieses Szenario prognostizieren Forschende für Large-Language-Models wie ChatGPT, Claude & Co. – und zwar nicht für die ferne, sondern für die nähere Zukunft. Sie sprechen vom KI-Modellkollaps.
Der KI-Modellkollaps
Forschende aus Oxford und Cambridge wiesen den Effekt schon 2024 nach. Der Kern des Problems liegt in den Feedbackschleifen: Ein KI-Modell erzeugt Inhalte, diese landen im Internet und damit wieder im Trainingsmix. Die nächste Modellgeneration lernt damit bereits auf einer verzerrten, ärmeren Datenbasis.
Schon kleine Mengen KI-generierter Inhalte genügen, um die Modell-Qualität zu drücken. Gerade in der Content-Produktion kann das gravierende Folgen haben. Ausgefallene und kreative Schreibstile sowie seltene Sprachmuster gehen verloren – die menschliche Feder verschwindet aus KI-Texten und Halluzinationen, also falsche Antworten, die leider oft plausibel klingen, nehmen zu.
Wie erkenne ich AI-Slop?
Das Resultat dieser Maschinisierung der Sprache hat mittlerweile sogar einen Fachbegriff: AI-Slop. Und die Muster haben wir alle schon in zahlreichen Texten gesehen (Grüße gehen raus an LinkedIn):
· Ein immer gleichbleibender Satzbau, meistens nach dem Muster: Subjekt, Prädikat, Objekt. Typisch menschliche Sprachvarianz fehlt.
· Typische, immer wiederkehrende Formulierungen: „Es ist nicht X, es ist Y“, „Zusammenfassend lässt sich sagen…“, „In der heutigen … Welt“, „Die gute Nachricht“.
· Die KI ordnet viele Elemente des Textes in einer Dreier-Struktur: drei Elemente in einer Aufzählung, drei Bulletpoints, drei Absätze.
· Keine klare Haltung, kein kritischer Blick, keine überzeugenden Argumente: KI-Texte bleiben oberflächlich und vage, kontern ein Argument gleich mit einer relativierenden Gegendarstellung.
· Häufig abgehackte Übergänge zwischen Absätzen oder Logik-Brüche.
Nicht perfekt, aber in den eigenen Worten
Zielführend sind rein KI-generierte Beiträge ohnehin nicht. Sie nerven nicht nur immer mehr Menschen, sie werden auch abgestraft. Google schätzt Mehrwert und fundierte Informationen. Deswegen zeigt auch eine aktuelle Studie von Semrush, dass die Top-10-Google Ergebnisse nach wie vor von Menschen produzierter Content sind.
Ähnlich wie Google legt auch LinkedIn Wert auf qualitativ hochwertige und hilfreiche Inhalte. Dementsprechend sinken Reichweite, Klicks und Engagement-Raten bei KI-Texten nachweislich.
Was also tun? Wir sagen: Entwickelt eure eigenen Ideen. Nutzt eure eigenen Worte. Schreibt so, wie es sich für euch richtig anfühlt und teilt eure Expertise. Analysiert, bewertet, ordnet ein und bleibt kritisch. KI darf dabei unbedingt Sparringpartner für Brainstorming, Feintunen von Texten und vieles mehr bleiben.
Bildnachweis: Midjourney