


Das Suchverhalten hat sich grundlegend verändert: Google verzeichnet zwar weiterhin über 5 Billionen Suchanfragen jährlich, wächst sogar um rund 20 Prozent pro Jahr, doch KI-Systeme wie ChatGPT (bis zu 2 Mrd. Queries/Tag) liefern zunehmend direkte Antworten statt klassischer Trefferlisten. Quellen werden häufig erst nachgelagert oder gar nicht mehr sichtbar gemacht. Für Redakteur:innen ergibt sich daraus eine zentrale Frage: Wie müssen Texte geschrieben und aufgebaut sein, damit KI-Systeme sie erkennen, bewerten und zitieren?
Generative Engine Optimization, kurz GEO, beschreibt Techniken, die die Sichtbarkeit erhöhen. Dass dies möglich ist, hat unter anderem eine aktuelle Studie der Columbia University gezeigt. Dabei wurden mehr als 50.000 reale und optimierte Produkttexte getestet, mit dem Ergebnis, dass die optimierten Texte in neun von zehn Fällen vom LLM besser eingestuft wurden.
Diese und andere Studien zeigen auch: Wie bei SEO, bringt GEO eigene, technikgetriebene Forschungs- und Beratungsfelder hervor. Und wie bei SEO gilt aber auch hier: Kommunikator:innen sollten zumindest mit den Grundlagen vertraut sein. Hier sind sieben Erste-Hilfe-Tipps fürs GEO-optimierte Schreiben im KI-Zeitalter.
1. Klare Antworten an den Textanfang stellen
KI-Systeme suchen zuerst nach eindeutigen Antworten auf konkrete Fragen. Diese sollten möglichst früh im Text stehen, idealerweise im ersten Absatz oder sogar im ersten Satz. Erklärungen und Einordnung können danach folgen. Klassische Spannungsdramaturgien funktionieren weiterhin, eignen sich aber eher für Kanäle mit bestehender Leserschaft als für KI-getriebene Suchanfragen.
2. Kurze Absätze und Sätze verwenden
KI-optimierte Texte funktionieren wie gute Tapas: klein, konzentriert und abwechslungsreich. Maximal 15 bis 20 Wörter pro Satz und zwei bis vier Sätze pro Absatz sind ein guter Richtwert. Kurze Texteinheiten lassen sich von KI-Systemen leichter erfassen und zitieren. Präzise Verben und wechselnde Satzlängen sorgen dafür, dass Stil und Tiefe erhalten bleiben.
3. Aussagen mit Zahlen und Daten belegen
Konkrete Zahlen erhöhen die Glaubwürdigkeit eines Textes. Das gilt für Menschen ebenso wie für KI-Systeme. Statistiken oder belastbare Kennzahlen steigern die Wahrscheinlichkeit, als Quelle herangezogen zu werden. Nicht jeder Absatz braucht Daten, aber überall dort, wo Zahlen sinnvoll sind, sollten sie genannt werden.
4. Quellen direkt im Text benennen
Hyperlinks sind hilfreich, reichen für GEO aber oft nicht aus. KI-Systeme bevorzugen Inhalte, bei denen Quellen bereits im Fließtext eindeutig genannt werden. Formulierungen wie „Laut einer Analyse des XY-Instituts …“ helfen, Aussagen klar zu verorten und korrekt zuzuordnen.
5. Klare Strukturen für schnelles Scannen
Texte werden zuerst gescannt – von Menschen wie von Maschinen. Überschriften, nummerierte Listen oder klar abgegrenzte Absätze erleichtern die Orientierung. Solche Strukturen helfen KI-Systemen, Inhalte schneller zu erfassen und in Antworten zu integrieren.
6. Verständlich und natürlich schreiben
Floskeln wie „Synergieeffekte durch digitale Transformation“ erschweren das Verständnis und senken die Zitierfähigkeit. KI-Systeme bevorzugen eine klare, natürliche Sprache. Eine einfache Regel: so schreiben, als würde man einem Tischnachbarn ein Thema erklären. Immer gut: Auf Buzzwords verzichten.
7. Absender klar benennen
KI-Systeme erkennen Namen und Institutionen zuverlässiger als Pronomen. Statt „wir empfehlen“ ist es sinnvoller zu schreiben: „Die Agentur BerkhoffZimmermann empfiehlt …“. Das wirkt zunächst ungewohnt, hilft aber dabei, Inhalte eindeutig einem Absender zuzuordnen.
Fazit: GEO ist kein Hexenwerk
GEO setzt auf Klarheit, Präzision und saubere Belege. Und damit auf journalistische Grundprinzipien. Helmut Markwort brachte es bereits in den 1990er-Jahren auf den Punkt: „Fakten, Fakten, Fakten – und immer an die Leser denken.“ Heute gilt zusätzlich: auch an die Maschine denken. Denn auch wenn es gemeinsame Grundregeln gibt, eine universelle GEO-Lösung ist das nicht. Jede LLM arbeitet nach eigenen Ranking-Algorithmen und die ändern sich praktisch mit jedem Modell-Update.